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wid Groß-Gerau - Einen Ouzo für meine guten Freunde. Sotirios Kalousios (rechts) und seine Mitarbeiter arbeiten in der Corona-Krise unter erschwerten Bedingungen. Jutta Bernhard / wid

Die Gastronomie in der Corona-Krise

Es gibt Licht am Ende des Tunnels in der deutschen Gastronomie. Inzwischen öffnen immer mehr Lokale wieder die Türen, wenn auch unter strengen Hygiene-Vorschriften. Wie kommt die 'neue Normalität' bei Betreibern und Gästen an? Und schmeckt das Essen genauso wie vor der Corona-Krise? Der Wirtschafts-Informations-Dienst (wid) hat sich auf kulinarische Spurensuche begeben. Nicht irgendwo, sondern in einem der renommiertesten griechischen Lokale des Rhein-Main-Gebiets, im 'Poseidon' im schönen Groß-Gerau.


Es gibt Branchen, die hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Manche werden dabei von der Politik mit einem milliardenschweren Rettungspaket am Leben gehalten, wie beispielsweise die Lufthansa. Andere kämpfen um ihre Existenz. Dazu zählt vor allem die Gastronomie, denn über Wochen hinweg mussten aus Sicherheitsgründen alle Restaurants oder Biergärten in Deutschland geschlossen bleiben.

Doch es gibt Licht am Ende des Tunnels. Denn inzwischen öffnen immer mehr Lokale wieder die Türen - wenn auch unter strengen Hygiene-Vorschriften. Wie aber kommt die "neue Normalität" bei Betreibern und Gästen an? Schmecken Essen und Getränke immer noch genauso wie in der Zeit vor Corona? Der Wirtschafts-Informations-Dienst (wid) hat sich auf kulinarische Spurensuche begeben. Nicht irgendwo, sondern in einem der renommiertesten griechischen Lokale des Rhein-Main-Gebiets, im "Poseidon" im schönen Groß-Gerau.

Zutritt in das Restaurant ist nur mit entsprechendem Mund-Nasen-Schutz erlaubt. Keine Sorge: Sobald man von dem freundlichen Personal an den vorgesehenen Tisch gebracht worden ist, dürfen die Masken wieder abgenommen werden - schließlich möchte man ja das Essen und die Getränke genießen. Die Angestellten müssen die Masken allerdings aufbehalten. Klar: Das gesundheitliche Wohl der Gäste steht an erster Stelle.

Um die Abstandsregeln einzuhalten, ist die Gästezahl zunächst limitiert. Das heißt: Nicht jeder Tisch darf sofort wieder komplett besetzt werden. Das ärgert natürlich den Besitzer, bringt den Gästen aber ein bisschen zusätzlichen Komfort. Während man sonst in einem vollbesetzen Lokal sein eigenen Wort kaum versteht und womöglich schreiende Kinder irgendwelche Fangspiele mit Inbrunst vorführen, herrscht jetzt eine himmlische Ruhe. Man kann sich in ruhigem Ton unterhalten und das Essen letztlich sogar noch ein bisschen mehr genießen.

Der Herr des Hauses gibt sich in diesen schwierigen Zeiten persönlich die Ehre, schaut an jedem Tisch vorbei und findet freundliche Worte. Klar: Sotirios Kalousios freut sich einfach, dass die bange Zeit des Wartens vorbei ist und die Gäste ihm trotz Corona die Treue halten und Mut machen. Fest steht auch: Das Coronavirus hat keinen Einfluss auf die Kochkünste der Frauen und Männer in der Küche. Und das ist gut so. Die wochenlange Schließlung hat der Qualität des Essens absolut nichts anhaben können. Serviert wird auf gewohnt hohem Niveau.

Durch die Hygiene-Maßnahmen sind dem "Poseidon"-Chef jedoch rund 60 Prozent der Einnahmen weggebrochen. Mit den verbleibenden 40 Prozent kommt Sotirios Kalousios über die Runden, wie er sagt: "Damit kann ich meine Kosten decken, das ist okay. Ich will mich nicht beklagen." Es gebe allerdings noch Luft nach oben, denn einige Stammgäste blieben aus Angst vor dem Virus lieber zuhause. "Ich hoffe, sie kommen bald alle wieder", so der Gastronom. Und er verspricht: "Niemand muss sich bei uns Sorgen machen."

Gerettet hat ihn anfangs die Soforthilfe der Regierung. "Ich musste nicht lange warten, da war das Geld auch schon auf dem Konto", so Kalousios. Dafür sei er der deutschen Politik auch sehr dankbar. Nur: Zum Überleben gereicht hätte die Unterstützung nicht. Irgendwann wären die Lichter ausgegangen und er hätte schließen müssen. Ein geschlossenes Raustarnt kann sich niemand monatelang leisten: keine Einnahmen, doch die Kosten laufen weiter. Monat für Monat. Da ist die Insolvenz nur noch eine Frage der Zeit. Viele seiner Kollegen hätten die Kurve nicht gekriegt und mussten bereits aufgeben. Aus diesem Grund ist im "Poseidon" die Zahl der Stammmitarbeiter von acht auf sechs reduziert worden.

Und was hält er von den Hygiene-Regeln im Restaurant? Erschwert das die Arbeit? "Die Regeln sind vernünftig und für uns recht einfach. Wir haben uns jedenfalls schnell daran gewöhnt", sagt Sotirios Kalousios. Was beeindruckt, sind die Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der im "Poseidon" der Chef und seine Mitarbeiter trotz dieser belastenden Situation auf die Gäste zugehen und damit auch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Angst hat Sotirios Kalousios nur vor einer zweiten Infektionswelle. "Wenn die nicht kommt, wird alles gut." Dann könnte er mit etwas Glück mit dem "Poseidon" schon bald wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.

Ralf Loweg / wid

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