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cid Groß-Gerau - Kinder und Jugendliche müssen einen gesunden Umgang mit dem Internet und Computerspielen lernen. geralt / pixabay.com

Internet-Sucht bei Jugendlichen

Wie bei fast allem im Leben ist es auch beim Internet- und Computerspiele-Konsum eine Frage der Dosis, ob diese als normal gelten oder als Sucht gesehen werden müssen. Spätestens, wenn bei einem vorübergehenden Wegfall der Online-Welt Entzugserscheinungen auftreten, sollten die Alarmglocken läuten. Bei Jugendlichen ist die Zahl der Problemfälle in den vergangenen Jahren stark gestiegen.


Wie bei fast allem im Leben ist es auch beim Internet- und Computerspiele-Konsum eine Frage der Dosis, ob diese als normal gelten oder als Sucht gesehen werden müssen. Bei Jugendlichen ist die Zahl der Problemfälle in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Aktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegen, dass sich der Anteil computerspiel- und internetbezogener Störungen bei männlichen Jugendlichen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 erhöht hat, bei den weiblichen Jugendlichen von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent. Insgesamt nutzen Jungen bevorzugt Computerspiele, Mädchen hingegen interessieren sich vor allem für die sozialen Medien. Die BZgA bietet hier Hilfe, zum Beispiel auch auf der Computerspielemesse gamescom, die noch bis 26. August 2017 in Köln stattfindet.

12- bis 17-Jährige sind pro Woche im Durchschnitt etwa 22 Stunden mit Computerspielen oder der Internetnutzung beschäftigt. Doch die Zeit allein ist noch kein verlässlicher Indikator. Spätestens aber, wenn bei einem vorübergehenden Wegfall der Online-Welt Entzugserscheinungen auftreten, sollten die Alarmglocken läuten, warnen die Experten. "5,8 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigen mittlerweile ein gestörtes Internet- oder Computerspielverhalten. Sie haben Schwierigkeiten, ihr Spiel zu kontrollieren und zeigen 'Entzugserscheinungen' wie Aggressivität, Rückzug vom Alltag oder Depressionen. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung", sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

Dem begegnet die Bundeszentrale mit Aufklärungskampagnen wie 'Net-Piloten für Schulen, bei dem Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren zur eigenverantwortlichen, maßvollen Nutzung von Computer und Internet geschult werden. Das Programm "Ins Netz gehen" ist sogar für Jugendliche im Alter ab 12 Jahren gedacht. "In der Prävention exzessiver Mediennutzung ist es entscheidend, Jugendliche frühzeitig im bewussten Umgang mit Medien zu schulen und auf die damit verbundenen Risiken aufmerksam zu machen", betont die Leiterin der BZgA, Dr. Heidrun Thaiss. Aber auch die Eltern müssen wachsam bleiben, mit ihren Kindern darüber sprechen und ein medienkompetentes Vorbild sein.

Ist die Prävention nicht geglückt, gibt es für Menschen, die bereits ein problematisches Online-Nutzungsverhalten entwickelt haben, den Online-Ambulanz-Service für Internetsüchtige (OASIS). Den bietet die LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Ruhr-Universität Bochum seit dem vergangenen Jahr an. Initiator Dr. Bert te Wildt sagt: "Für Internetsüchtige ist die Hemmschwelle, sich im Netz selbst Hilfe zu holen, offenbar niedriger, als sich direkt an eine Beratungsstelle zu wenden." Das Internet berge zwar eine Suchtgefahr, aber es könne andererseits auch sinnvoll therapeutisch nutzbar gemacht werden. Das Maß und die Art der Verwendung sind hierbei entscheidend.

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