img
@ mohamed_hassan (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Geldwäsche mit Kryptowährungen: Wenn das altbekannte Verbrechen auf modernsten Technologien trifft

Im 21. Jahrhundert wirkt sich die weiterhin stark auf das globale Wirtschaftswachstum aus. Jedes Jahr stammen schätzungsweise zwei bis fünf Prozent des weltweiten BIP aus illegalen finanziellen Einnahmequellen, deren Geldbeträge von Kriminellen rein gewaschen werden.

Im 21. Jahrhundert wirkt sich die Geldwäsche weiterhin stark auf das globale Wirtschaftswachstum aus. Jedes Jahr stammen schätzungsweise zwei bis fünf Prozent des weltweiten BIP aus illegalen finanziellen Einnahmequellen, deren Geldbeträge von Kriminellen rein gewaschen werden. Die so gewaschenen Beträge machen 1,5 bis 3,7 Billionen US-Dollar aus. Dies lässt natürlich bei den Finanzbehörden weltweit die Alarmglocken schrillen.

Der allgemeine Begriff von „Geld“ verändert sich gegenwärtig hauptsächlich aufgrund des technologischen Fortschritts und der damit zusammenhängenden Neuerungen. Heutzutage umfasst dieser Begriff nicht nur mehr das Bargeld, elektronische Währungen, Aktien usw., sondern auch das neu auftauchendes Phänomen des virtuellen Geldes.

Und während die ganze Welt Kryptowährungen als einzigartige Gelegenheit zur Reform des unvollkommenen Finanzsystems ansehen wollen, sehen viele kriminelle Elemente ihre Chance gekommen, Bitcoins und Co. als einen neuen Weg anzusehen, um ihre illegalen Einkünfte zu verschleiern und reinzuwaschen.


Was funktioniert die Geldwäsche mit Kryptowährungen?

Wenn Sie bereits mit dem allgemeinen Konzept der Geldwäsche vertraut sind, ist es nicht allzu schwer, die Idee der Geldwäsche mit Kryptowährungen zu verstehen. Denn bei diesem Vorgang handelt es sich im Grunde um denselben Prozess schmutziges Geld blütenweiß zu machen, allerdings mit einem kleinen aber feinen Unterschied. Das schmutzige Geld wird in Form konvertierbarer virtueller Währungen dargestellt. Die bekanntesten Beispiele dafür sind Bitcoin, Ethereum und Litecoin.


Die verschiedenen Methoden der Kryptowährungsgeldwäsche

  1. Deregulierter Handel mit Kryptowährungen

Laut einem Artikel von Elliptics werden 45,4% der illegalen Bitcoins durch Krypto-Handel reingewaschen.

Das kann bei Ihnen eventuell aber auch zu Kopfschütteln führen, wenn Sie sich gut mit den Eigenschaften und dem Aufbau der Blockchain-Technologie auskennen. Wie ist es möglich, wenn öffentliche Blockchains für jedermann transparent und nachvollziehbar sind?

Dies ist sicherlich zutreffend, wenn es um regulierte Marktplätze und Börsen geht. Offizielle und legale Handelsplätze können mit Regierungen zusammenarbeiten, und im Bedarfsfall unerlaubte Transaktionen nachverfolgen umso mögliche Verbrechen aufzudecken und melden zu können. Blockchain speichert jedoch nur eine Liste von Transaktionen und keine Benutzerdaten. Es benötigt immer noch sehr viel Zeit Transaktionen und Identitäten zu verknüpfen. Und wenn es zu einem ungeregelten Handel kommt, wird es zu einer „Mission impossible“.

Fast 5% der gesamten Bitcoin-Transaktionen werden vom „darknet“ aus an diese Dienste gesendet, und keine Regierung der Welt kann dies zurzeit stoppen. Ein solcher Handel hält sich nicht an die AML-Bestimmungen („Anti-Money-Laundering“), so dass die Quelle der illegalen Bitcoins und die Identität hinter der Transaktion für immer unbekannt sind.

Darüber hinaus verwenden einige Benutzer den TOR-Browser, wodurch diese User vollständig anonymisiert werden. Dieser Browser erfasst keine persönliche IP-Adresse und verbirgt die Online-Aktivitäten des Benutzers, sodass seine Spuren im Internet nicht nachverfolgt werden können.

  1. Anonyme Online Casinos

An der zweiten Stelle der Bitcoin-Geldwäsche rangieren die sogenannten Bitcoin-Casinos, auf die 25,8% aller gewaschenen Bitcoins entfallen. Und dies ist mit Sicherheit kein Zufall, denn wenn die Geldwäsche in genehmigten und lizensierten Online-Casinos „Risiken“ mit sich bringt, da diese vom Casino-Management, dem Kundendienst und von Regulierungsbehörden überwacht und kontrolliert werden - Kriminelle werden bei einer Kontoüberprüfung sicherlich nicht echte Dokumente vorweisen -, besteht in anonymen Krypto-Casinos keinen Ausweispflicht bei der Anmeldung bzw. bei der Auszahlung.

Niemand in solchen Casinos ist an der Herkunft der darin umgesetzten Bitcoins interessiert. Nachdem die Spieler ihr Geld auf ihr Konto überwiesen werden, werden diese mit den Transaktionen beginnen. So werden einige interne Krypto-Transaktionen ausgeführt, und anschließend werden die Bitcoins wieder in Ihre Krypto-Geldbörsen der Spieler überwiesen. Diese Vorgehensweise ähnelt stark den Geldbewegungen und Überweisungen an unterschiedliche Offshore-Banken, deren Länder noch immer strikte Bankgeheimnisgesetze haben.

Damit diese Prozesse zusätzlich noch weniger verdächtig zu gestalten, verwenden Kriminelle häufig auch tatsächlich einen Teil ihrer Einzahlung zu Spielzwecken. Sie verlieren und gewinnen dabei einige Bitcoins und mischen dadurch die Herkunft der digitalen Gelder, niemand kann mehr nachvollziehen woher diese stammen. Später wird diese Summe in unauffälligere Teile aufgeteilt und die Gelder werden sukzessive durch weitere Überweisungen schrittweise abgehoben.

Es ist aber dennoch erwähnenswert, dass die Geldwäsche-Transaktionen nur einen kleinen Teil des Umsatzes der Bitcoin-Casinos ausmachen. Denn die meisten Spieler genießen einfach die Tatsache und die Möglichkeit, dass niemand ihre Spielaktivitäten nachverfolgen kann, die in den meisten Fällen nicht kriminell sind.

  1. Die Krypto-Mixing Dienste

Sogenannten „Kryptowährungs-Tumbler“ wurden als zusätzliche Verstärker der Bitcoin-Anonymität eingeführt. Natürlich gibt es nicht viele aufrichtige und ehrlich Menschen, die absolute Anonymität einfordern, da sie nichts zu verbergen haben (vielleicht abgesehen von den oben genannten Glücksspielern). Durch diese Möglichkeiten des „Mixens“ werden Kriminelle wie Fliegen zum Honig angezogen und nur so konnten sie diese in leistungsstarke Geldwaschmaschinen verwandeln. Bis heute sind diese „Mischer“ für 23,4% der reingewaschenen Bitcoins verantwortlich.

Um Bitcoin durch Mixer weiß zu waschen, erstellen die Kriminellen zuerst einen Account im öffentlichen "clearnet“ und ein paar mehr im sogenannten "darknet". Mit einem anonymen Browser übertragen sie ausgewählte digitale Währungen in die „verborgene Geldbörse“ und verteilen die Geldbeträge durch das sogenannte Mixen. Dieses Vermischen der unterschiedlich hohen Beträge wiederum teilt die verschiedenen Beträge auf und sendet diese nach dem Zufallsprinzip an andere "Darknet"-Adressen. Bei diesen Vermischungs- und Überweisungsprozessen werden die Transaktionshistorien ordentlich und nicht mehr nachvollziehbar durcheinandergemischt.

Und sobald der Waschvorgang lange genug gedauert hat und alles strahlend weiß ist, werden die verwendeten Bitcoins bei regulierten Krypto-Börsen deponiert und können sogar gegen herkömmliche Währungen gehandelt werden.


Wie weit verzweigt ist die Krypto-Geldwäsche?

Das Weißwaschen des Geldes mittels Kryptowährungen macht nur einen Bruchteil des gesamten Geldes aus, das weltweit blütenweiß gewaschen wird und beträgt in Summe nur 1,7% des globalen Gesamtbetrags aus. Aber auch diese Tatsache ist kein Grund, das Thema zu vernachlässigen und die Dinge einfach so weiterlaufen zu lassen. Es darf nicht mehr länger gewartet werden, denn das Fehlen von AML-Bestimmungen im Kryptosegment ist für alle Aufrechten äußerst alarmierend.


Mögliche Vorkehrungen zur Kriminalprävention

Derzeit gibt es keinen einheitlichen Ansatz für den Umgang mit Kryptowährungs-Geldwäsche. Standardisierte-AML-Richtlinien sind auf dieses neue Phänomen in der Finanzwelt nicht anwendbar. Die Behörden arbeiten jedoch bereits an neuen Regelungen. Einige europäische Länder haben schon mögliche richtungsweisende Änderungen vorgeschlagen, um die Geldwäsche in diesem Bereich langfristig einzudämmen.

So schlägt zum Beispiel Frankreich vor, ein Verbot für alle anonymen Kryptowährungen einzuführen, die eine Identifizierung der agierenden Personen verhindern oder unmöglich machen. Deutschland ist im Begriff, ein staatliches Register für Kryptowährungen zu erstellen. Irland fordert die Abschaffung anonymer Konten in diesem Bereich. Die Informationen wie die Behörden mit Kryptowährungs-Mixern und Bitcoin-Online-Casinos zukünftig umgehen werden, wurden entweder nicht behandelt oder stehen noch nicht öffentlich zugänglich zur Verfügung.

Alles in allem ist die Idee einer zentralen Regulierung einer dezentralisierten Währung von Natur aus grotesk und in sich widersprüchlich. Aber es hat leider den Anschein, dass nur grundlegende Änderungen in der Kerntechnologie der Kryptowährungen Kriminelle und deren verbrecherische Handlungen aufhalten könnten. Aber leider wird es dann die uns heute bekannte Blockchain-Technologie nicht mehr geben, sie wird vollkommen anders aufgebaut sind.

STARTSEITE