img
mp Groß-Gerau - Bei der Therapie von Darmkrebs können unter anderem Immuntherapien und sogenannte zielgerichtete Arzneimittel zum Einsatz kommen. BPI / Shutterstock / crystal light

Darmkrebs zielgerichtet bekämpfen

Darmkrebs hat viel von seinem ursprünglichen Schrecken verloren. Wird er früh entdeckt, stehen die Heilungschancen sehr gut. Und auch bei einem weiter fortgeschrittenen Stadium ist eine Heilung dank neuer Therapieansätze möglich. Darauf weist der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hin.


Darmkrebs hat viel von seinem ursprünglichen Schrecken verloren. Wird er früh entdeckt, stehen die Heilungschancen sehr gut. Und auch bei einem weiter fortgeschrittenen Stadium ist eine Heilung dank neuer Therapieansätze möglich. Darauf weist der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hin.

Darmkrebs ist bei Frauen die zweit- und bei Männern die dritthäufigste Krebsart. Jedes Jahr erkranken 24.000 Frauen erstmals daran, beim männlichen Geschlecht sind es sogar 30.000. Sie sehen oft aus wie Pilze: Polypen im Darm - entdeckt bei einer Darmspiegelung. Diese Schleimhautwucherungen sind meistens harmlos, doch manchmal können sie entarten. Langsam, über viele Jahre hinweg und meist ohne jegliche Beschwerden kann sich aus Polypen im Darm ein bösartiger Tumor entwickeln.

Die meisten Tumore entstehen im Dickdarm oder Enddarm, sehr selten im Dünndarm. Das Risiko steigt mit dem Alter. Deshalb gilt ab dem 50. Lebensjahr für Männer und ab dem 55. Lebensjahr für Frauen die Darmspiegelung als wichtige Vorsorgemaßnahme.
Entdecke der Arzt dabei Polypen, könne er diese direkt entfernen und damit einer Krebsentstehung bestenfalls vorbeugen, so BPI-Innovationsexperte Dr. Pablo Serrano.

Die Operation (OP) ist eine wichtige Säule in der Therapie von Darmkrebs. Das Tumorgewebe lässt sich dabei oft vollständig entfernen. Bei Krebs im Enddarm bleibt der Schließmuskel dabei meistens erhalten, sodass kein künstlicher Darmausgang notwendig ist.

Oft ist es möglich, mittels minimalinvasiver Chirurgie ohne großen Bauchschnitt zu operieren. Bei vielen Patienten mit Darmkrebs ergänzen eine Chemotherapie oder Bestrahlung die Operation - meistens nach der OP, um einem Rückfall vorzubeugen, manchmal aber auch schon vor der OP, um den Tumor oder die Tumore zu verkleinern.

In den letzten Jahren entstanden immer mehr neue Therapiemöglichkeiten bei fortgeschrittenem Darmkrebs. "Inzwischen konnten Wissenschaftler herausfinden, wie die Tumorzellen es schaffen zu wachsen, sich zu vermehren und dabei das Immunsystem auszutricksen", berichtet der BPI-Experte.

So gibt es beispielsweise auf der Oberfläche der Zellen Strukturen, die Wachstumssignale an die Zellen vermitteln. "Pharmazeutische Unternehmen entwickeln daher Arzneimittel, die nun ganz gezielt diese Signale blockieren können und damit das Wachstum der Tumorzellen ausbremsen", erklärt Serrano.

Wachsende Tumore brauchen eine eigene Versorgung mit Blutgefäßen. "Bestimmte Arzneimittel hemmen diesen Vorgang, sodass die Tumorzellen regelrecht aushungern", erklärt Serrano. "Und auch innerhalb einer Tumorzelle gibt es überaktive Signalwege, die für Wachstum und Vermehrung sorgen. Diese Vorgänge können wiederum andere neue Arzneimittel gezielt unterbrechen", ergänzt Serrano.

Bei Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs, der eventuell schon in Lunge oder Leber gestreut hat, können diese sogenannten zielgerichteten Therapien die Krankheit unter Kontrolle bringen. Die Arzneimittel werden meistens ergänzend zur Chemotherapie verabreicht.

Zudem kommen Immuntherapien bei fortgeschrittenem Darmkrebs zum Einsatz: "Durch eine Infusion mit sogenannten Checkpoint-Hemmern soll das Immunsystem des Patienten so angeregt werden, dass es die Tumorzellen aus eigener Kraft bekämpfen kann.

Dank pharmazeutischer Forschung und der breiten Palette an Therapiemöglichkeiten kann sich die Lebensqualität der Erkrankten verbessern. Beschwerden gehen zurück, und selbst eine Heilung ist nicht ausgeschlossen.

STARTSEITE