Erneute Streikwelle bei Amazon

Kunden von Amazon müssen diese Woche mit längeren Wartezeiten rechnen, denn die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat die Beschäftigten bei Amazon erneut zum Streik aufgerufen.


Kunden von Amazon müssen diese Woche mit längeren Wartezeiten rechnen, denn die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat die Beschäftigten bei Amazon erneut zum Streik aufgerufen.

An den Standorten Rheinberg und Werne, in Bad Hersfeld, Leipzig und Graben haben die Amazon-Beschäftigten seit Montag dieser Woche mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niedergelegt. Die Streiks sollen vorläufig bis Mittwoch, den 24. Juni 2015, bis zum Ende der Spätschicht andauern. »Die Amazon-Beschäftigten kämpfen für einen Tarifvertrag. Sie verlangen verlässliche und gute Arbeitsbedingungen und wollen nicht mehr der Willkür eines Arbeitgebers ausgeliefert sein«, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Gestreikt wird, da Amazon in Leipzig vor einiger Zeit willkürlich entschieden hat, statt 29 nur noch 28 Tage Urlaub zu gewähren. Außerdem kämpfen die Beschäftigten des Versandriesen um eine verbindliche Regelung in einem Tarifvertrag. Denn Beschäftigte hätten normalerweise nach dem Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel garantiert Anspruch auf 30 Tage Urlaub.
Die Streiks beim Versandhändler Amazon begannen bereits im April 2013, als zum ersten Mal Beschäftigte am Standort Bad Hersfeld die Arbeit niederlegten. Mittlerweile haben sich Beschäftigte an sechs der acht Versandstandorte sowie der Amazon Prime Instant Video Germany GmbH in Elmshorn organisiert und gestreikt.

Amazon verweigert laut Ver.di jegliche Tarifbindung und behauptet immer wieder, man orientiere sich an den Tarifen der Logistikbranche. Doch von tarifvertraglichen Standards sei das Unternehmen laut Ver.di weit entfernt, was man unter anderem daran sehen würde, dass kein Urlaubsgeld und nur ein verschwindend geringes, so genanntes Weihnachtsgeld bezahlt werde. Beschäftigte bei Amazon klagten zudem immer wieder über Leistungshetze, akribische Überwachung am Arbeitsplatz und Feedback-Gespräche, in denen sie etwa wegen angeblicher Inaktivität von zum Teil nur einer Minute unter Druck gesetzt werden würden.

Der Versandriese Amazon entwickelt unterdessen neue Strategien, um die Zustellungen an die Kunden rechtzeitig und kostengünstiger als die Konkurrenz gewährleisten zu können. Laut eines Berichts des »Wall Street Journals« plant Amazon in den USA mit Hilfe einer eigens für dieses Projekt entwickelten App jede Person als Gelegenheitszusteller und Paketfahrer für das Unternehmen einzusetzen. Jeder könnte über so eine mobile App als Kurier und Aushilfsfahrer für Amazon einspringen. Ob und wann dieses Vorhaben nach Deutschland gebracht wird, ist derzeit nicht bekannt. Mit dem neuen Modell, intern laut Bericht des »Wall Street Journals« mit dem Namen »On my way« benannt, könnte das Unternehmen womöglich noch mehr auf gewerbliche Paketdienste verzichten, damit Geld sparen oder die Paketdienste unter Druck setzen.

STARTSEITE