Smartphones verwischen Grenze zwischen Arbeit und Freizeit
Mobile Geräte wie Smartphones ermöglichen ein flexibleres Arbeiten, allerdings ist eine Abgrenzung vom Beruf im Privatleben immer schwieriger. Bereits jeder Zweite erledigt Berufliches bei privaten Treffen. Ein Grund dafür, dass viele Arbeitnehmer über Burnout klagen.
Arbeit und Freizeit gehen für viele Berufstätige immer stärker ineinander über. So erledigt nahezu jeder zweite berufstätige Besitzer eines Smartphones während privater Treffen mit Familie oder Freunden berufliche Angelegenheiten. 28 Prozent arbeiten ab und zu dienstliche Aufgaben ab, 20 Prozent machen das sogar regelmäßig. Das ergab eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom. Interessant ist, dass bei den jüngeren Beschäftigten bis 29 Jahre nur rund jeder Dritte in privater Runde dem Chef oder Kollegen eine Mail oder eine Kurznachricht schreibt, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es dagegen schon rund 47 Prozent und bei den über 50-Jährigen sogar 61 Prozent.
»Die Digitalisierung führt dazu, dass das Berufsleben flexibler wird. Während man früher wenig produktiv auf eine wichtige Nachricht im Büro warten musste, nimmt man heute mit dem Smartphone sein Büro einfach mit«, erklärt Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder vom Bitkom. Diese Flexibilität hat allerdings auch negative Folgen, denn immer mehr Arbeitnehmer leiden unter Symptomen wie Ausgebranntsein, Stress und Überlastung. Arbeitswissenschaftler nennen als Grund unter anderem die fließenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Einige Firmen sind deshalb dazu übergegangen, ihre Mailserver für ausgehende Nachrichten nach Dienstschluss zu deaktivieren.
Laut Bitkom-Studie fühlt sich die große Mehrheit der Bundesbürger gestört, wenn jemand während privater Treffen mit dem Smartphone schnell mal etwas erledigt. Rund zwei Drittel, halten das für unhöflich. Nur jeder Vierte hält das Arbeiten via Smartphone in der Freizeit für normal. Besonders gestört vom Blick aufs Smartphone fühlen sich Senioren ab 65 Jahre. 83 Prozent halten die Smartphone-Nutzung in einem solchen Fall für unhöflich, nur 12 Prozent finden das in Ordnung.
Der Prozess funktioniert aber auch umgekehrt: Mit dem Smartphone hält nicht nur die Arbeit Einzug ins Privatleben, umgekehrt erledigen auch 4 von 10 berufstätigen Smartphone-Besitzern während dienstlicher Meetings private Angelegenheit. Überwiegend werden von rund 67 Prozent der Berufstätigen private Nachrichten wie E-Mails, WhatsApp-Nachrichten oder SMS gelesen und beantwortet. Rund jeder Dritte nutzt soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Jeder Vierte flüchtet sich spielend aus dem Meeting. 23 Prozent lesen aktuelle Nachrichten im Netz und schlagen so langweilige Phasen während des Arbeitsalltags tot. 15 Prozent informieren sich über Sportergebnisse und 6 Prozent geben an, während einer Besprechung auf Online-Shopping-Portalen einzukaufen.
Rohleder vom Bitkom sieht insgesamt ein Regelungsbedarf in Unternehmen. Die große Herausforderung sei es, dafür zu sorgen, dass die neue Flexibilität weder zu Lasten der Beschäftigten noch zu Lasten der Unternehmen gehen würde. Dafür müssten Unternehmen den Einsatz des Smartphones innerhalb und außerhalb des Unternehmens für Arbeitnehmer und Arbeitgeber klar regeln. Angestellten sind verdeckte Überstunden nicht zumutbar und Arbeitgeber sollten darauf hoffen dürfen, dass sich Angestellte während der Arbeitszeit nicht mit privaten Angelegenheiten beschäftigen.


