Trend Micro blickt in die Abgründe des Dark Internet
Drogen, gestohlene Kontodaten oder Auftragsmord: Im Dark Web gibt es für alles und für jedes erdenkliche Verbrechen einen Anbieter. Andererseits ist das dunkle Internet für viele politische Aktivisten überlebenswichtig.
Ein gefälschter Pass samt deutschem Führerschein ist für 700 Euro zu haben, ein Auftragsmord kostet ab 180.000 US-Dollar, wenn es wie ein Unfall aussehen soll, muss der Auftraggeber gut 300.000 Dollar überweisen. Die Beispiele, die das japanische IT-Sicherheitsunternehmen Trend Micro in seinem Forschungspapier »Unter der Oberfläche: Das Deep Web erkunden« zusammengestellt hat, geben nicht nur Behörden einen Ausschnitt auf die sich im verborgenen Internet organisierende Kriminalität. Sie sind auch der Stoff, aus dem heutige Kriminalautoren reichlich schöpfen können. In den vergangenen beiden Jahren hat Trend Micro das Dark Internet intensiv erforscht und legt nun einen erschreckenden Zwischenbericht vor.
Selbst für die Sicherheitsexperten schockierend: Ein Viertel aller im Dark Web gefundenen Webadressen stehen mit sexuellem Kindesmissbrauch in Verbindung. Auch Gewalttaten wie Bombenanschläge, Prügelattacken oder Vergewaltigungen können hier gleichsam wie eine Dienstleistung eingekauft werden. Illegale Dienste wie Schadsoftware oder Geldwäsche werden als Service angeboten, gestohlene Kreditkarten-Informationen können ebenfalls hier geordert werden. Die am häufigsten gesuchten Schlagwörter haben aber mit Drogen zu tun. Cannabis ist das mit Abstand am meisten eingegebene Suchwort im Dark Web, gefolgt von verschreibungspflichtigen Arzneien wie den Psychopharmaka Ritalin und Xanax.
2013 fand das Dark Web übrigens erstmals in den Medien eine größere Aufmerksamkeit, weil das FBI den Silk Road-Markt geschlossen und den berüchtigten Internet-Untergrund für den weltweiten Drogenverkehr offen legte.
Allerdings wäre es falsch, das Dark Web, auch als Deep Web bezeichnet, als reine Plattform für Kriminelle jeder Sorte anzusehen. Denn ursprünglich war dieser über Suchmaschinen nicht erreichbare Teil des Internets darauf ausgerichtet, Nutzern eine sichere Kommunikation zu ermöglichen, die etwa von staatlichen Zensurbehörden verfolgt wurden und denen Repressionen drohten. So wurde das Dark Web beispielsweise von politischen Aktivisten genutzt, die während des arabischen Frühlings Proteste mobilisierten. Die Grenze zwischen dem legalen und illegalen Web verlaufe nicht zwischen tief und dunkel, sondern hänge wie in der realen Welt auch von den Absichten und Motiven der Akteure ab, erläutert Trend Micro.
Das dunkle Web basiert auf so genannten »Darknets« wie den Anonymisierungswerkzeugen TOR oder I2P oder anderen privaten Peer-to-Peer-Netzwerken. Für Whistleblower oder Dissidenten in diktatorischen Regimen sind die technischen Möglichkeiten der anonymisierten Internetnutzung oft eine Frage des Überlebens. Die Ergebnisse der Studie »Unter der Oberfläche: Das Deep Web erkunden« hat Trend Mirco in einem PDF zusammengefasst (http://bit.ly/1JKJxUb).


