Milliardendeal: Nokias Kartendienst Here für Audi, Daimler und BMW

Audi, Daimler und BMW kaufen Nokias Kartendienst Here für rund 2,8 Milliarden Euro. Damit rüsten sich die Autohersteller für das autonome Fahren.


Die drei Unternehmen Audi, BMW und Daimler teilen sich künftig zu jeweils einem Drittel die Anteile am digitalen Kartendienst Nokia Here. Die Tochtergesellschaft von Nokia hat derzeit rund 6000 Angestellte. Das autonome Fahren wird zu einem immer wichtigeren Trendsetter und digital erstellte und äußerst präzise Karten sind hierfür die Grundlage. Ein verlässliches Kartensystem ist die Schlüsseltechnologie für die Verkehrssysteme der Zukunft. Rund 2,8 Milliarden Euro ist den deutschen Autogiganten deshalb Nokia Here wert.

In Europa soll Nokia Here bereits jetzt in vier von fünf Fahrzeugen genutzt werden. Der Erfolgsdruck ist für die Automobilbranche in diesem Sektor so gewaltig, dass die drei Erzrivalen sogar einen gemeinsamen Schulterschluss gemacht haben, um den Kartendienst in die Hände zu bekommen. Zu groß war offenbar die Angst, dass das Leistungsspektrum von Nokia Here einem anderen Unternehmen zur Verfügung stehen könne oder dass im schlimmsten Fall der Internetgigant Google das gesamte Kartenportfolio übernommen und in seinen Händen zentriert hätte. Die Unabhängigkeit war den deutschen Autobauern daher wichtiger. Die Plattform, die autonomes Fahren erst ermöglicht, wollten die drei Unternehmen selbst kontrollieren, bevor sie die Daten von anderen Unternehmen dauerhaft hätten kaufen müssen. Schlussendlich wäre die Folge eine Abhängigkeit vom Preisdiktat anderer Internetkonzerne gewesen. Allerdings hängt jetzt der Kauf noch von der Regulierungsbehörde ab. Apple arbeitet schon an einer hochauflösenden Straßenkarte und Google hat bereits ein eigenes autonom fahrendes Auto.

Echtzeit-Navigationssysteme bieten nicht nur die Möglichkeit, Staus zu lokalisieren, sie sind auch notwendig für die Assistenzsysteme beim autonomen Fahren. Jetzt können die drei großen Premium-Hersteller entscheiden, welchen Kunden und Unternehmen sie selbst die Mitbenutzung des Kartendienstes gewähren. Here solle eine Schlüsselrolle bei der digitalen Revolution der Mobilität spielen und dabei hochpräzise Karten mit Daten aus dem Fahrzeugumfeld kombinieren, um das Fahren sicherer und einfacher zu gestalten. Beispielsweise könnten Glatteiswarnungen in Echtzeit erfolgen.

Der Kartendienst arbeitet mit Laserscannern und soll eine Genauigkeit zwischen 10 bis 20 Zentimeter erreichen. Zwischen München und Holledau auf der A9 wurde bereits eine Streckenetappe digitalisiert, um die hochpräzisen Karten und ihre Einsatzmöglichkeiten zu testen. Möglich wäre beispielsweise mit dem Kartendienst auch ein Grüne-Welle-Assistent für Ampeln.

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