Digitales Rathaus selten besucht
E-Government-Nutzung kommt in Deutschland nur schleppend voran. Nur gut die Hälfte der Deutschen wickeln ihre Behördengänge über das Netz ab.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Nutzung von E-Government nur auf dem elften Platz. Das zeigen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Demnach haben im Jahr 2014 rund 53 Prozent der Bundesbürger das Internet zur Interaktion mit Behörden genutzt, etwa um Auskünfte einzuholen oder Formulare herunterzuladen. Behördengänge könnten unkomplizierter und schneller erledigt werden, aber viele Bürger wissen zu wenig Bescheid über die Online-Angebote von Behörden.
Laut Branchenverband Bitkom ist die vergleichsweise geringe Nutzung von E-Government-Angeboten in Deutschland unter anderem auf dieses Informationsdefizit zurückzuführen. Zudem werden laut Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom die Möglichkeiten des E-Government noch nicht konsequent genug realisiert. "Auch bei Anträgen, für die der Gesetzgeber keine Unterschrift fordert, sehen die Formulare immer noch ein Unterschriftenfeld vor und erschweren so die komplett elektronische Antragstellung und -bearbeitung. Das passt nicht mehr in unsere Welt und ist Bürgern, die online Bücher kaufen, Urlaube buchen oder ihre Wohnung tauschen, nicht mehr zu erklären", so Rohleder. Zudem sind die vorhandenen Online-Angebote nicht immer nutzerfreundlich. Viele Behörden würden versuchen, eigene IT-Systeme aufzubauen anstatt bewährte Standards einzusetzen, kritisiert der Bitkom.


